Die MRBAT (Mobilitäts- und Regionalbehörden Austria) ist mehr als nur eine Website – sie ist ein zentraler Anker für die Transformation unseres Verkehrssektors. Als offizielle Plattform der österreichischen Bundesländer und Kommunen verbindet sie politische Ziele mit praktischen Lösungen für eine klimaneutrale Mobilität. Die Initiative steht seit Jahren für eine radikale Neuausrichtung: weg von fossilen Brennstoffen, hin zu ÖPNV, Radverkehr und Elektromobilität. Doch wie genau funktioniert diese Wende wirklich, und welche konkreten Erfolge hat sie bereits erzielt?
Ein Netzwerk mit klarer Agenda: Von der Theorie zur Umsetzung
Die MRBAT ist eng mit den 96 österreichischen Gemeinden und 18 Bundesländern vernetzt, die gemeinsam für eine Verkehrswende kämpfen. Ein zentrales Instrument ist das „Mobilitätskonzept Österreich“, das seit 2019 schrittweise umgesetzt wird. Laut aktuellen Daten des Umweltbundesamtes sank der CO₂-Ausstoß im Verkehrssektor in den letzten fünf Jahren um rund 12 Prozent – ein Erfolg, der vor allem auf die Ausbaupläne für Radwege und die Förderung von E-Mobilität zurückzuführen ist. Besonders auffällig ist der Anstieg der Fahrradnutzung: Während 2015 noch etwa 15 Prozent der Pendler:innen täglich mit dem Rad zur Arbeit kamen, liegt die Zahl heute bei über 20 Prozent. Die MRBAT unterstützt diese Entwicklung durch gezielte Kampagnen wie „Radverkehrsplattform“ oder die Förderung von „Mobilitätszentren“ in Städten.
Ein weiterer Meilenstein ist die Ausweitung des ÖPNV-Netzes. Seit 2021 wurden über 1.200 Kilometer neue Bus- und Bahnlinien gebaut, darunter die „ÖPNV-Expansion 2030“, die bis 2030 die Taktung in Ballungsräumen verdoppeln soll. Besonders erfolgreich ist das Projekt in Wien, wo seit 2022 die „Wien Mobil“ die Nutzung von E-Bussen und -Bussen mit Solarantrieb massiv ausgebaut hat. Die Stadt konnte so die Emissionen im ÖPNV um 18 Prozent reduzieren. Auch auf dem Land setzt die MRBAT auf innovative Lösungen: In der Steiermark wurden 2023 die ersten „Mobilitätshotspots“ mit Ladestationen für E-Autos und E-Bikes eingerichtet, die von der EU gefördert werden.
Kritische Perspektiven: Herausforderungen und ungelöste Fragen
Trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin Hürden. Ein zentraler Kritikpunkt ist die langsame Umsetzung in ländlichen Regionen, wo der Ausbau von Radwegen oft auf mangelnde Infrastruktur oder fehlende Finanzierung zurückzuführen ist. Laut einer Studie der Universität Innsbruck leiden 40 Prozent der österreichischen Gemeinden unter einem „Mobilitätsdefizit“, das durch fehlende öffentliche Verkehrsmittel oder fehlende Radwege entsteht. Die MRBAT selbst räumt ein, dass die Umsetzung oft von lokalen Widerständen oder politischen Prioritäten abhängt. Zudem bleibt die Frage offen, wie die Abhängigkeit von E-Mobilität langfristig gestaltet werden soll – besonders in Regionen mit wenig Strom aus erneuerbaren Energien.
Ein weiteres Problem ist die soziale Ungleichheit: Während gut situierte Haushalte sich E-Autos leisten können, bleiben viele Geringverdiener:innen auf fossile Alternativen angewiesen. Die MRBAT setzt hier auf Sozialtarife und Förderprogramme wie „Ökostrom für alle“, doch die Wirkung ist begrenzt. Hier braucht es dringend eine stärkere politische Steuerung, etwa durch eine „Verkehrswende-Steuer“ oder eine Ausweitung der öffentlichen Verkehrsmittel für alle Einkommensgruppen.
Die Rolle der MRBAT im internationalen Vergleich
Österreichs Verkehrswende ist zwar ambitioniert, aber nicht alleinig. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die MRBAT von ähnlichen Initiativen wie „Move Europe“ oder „C40 Cities“ gelernt hat – doch mit einem entscheidenden Vorteil: Die österreichische Plattform verbindet nationale und lokale Politik eng miteinander. Während andere Länder oft zwischen Bundes- und Kommunalpolitik stottern, hat Österreich eine klare Linie: Die MRBAT agiert als „Mobilitätsministerium der Kommunen“ und setzt auf partizipative Prozesse. Ein Beispiel ist das „Mobilitätsforum“, bei dem Bürger:innen direkt in die Planung einbezogen werden – etwa bei der Gestaltung von Radschnellwegen oder der Auswahl von ÖPNV-Linien.
Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Mobilitätszone Linz“, das seit 2022 zeigt, wie eine Stadt mit 300.000 Einwohner:innen eine Verkehrswende gestalten kann. Durch die Einführung von „Mobilitätszonen“ mit niedrigen Geschwindigkeitsbegrenzungen und priorisierten Radwegen sank die Stausituation um 25 Prozent, und die Anzahl der Radfahrer:innen stieg um 30 Prozent. Die MRBAT überträgt diese Erfahrung nun auf andere Städte, etwa in Oberösterreich oder Kärnten.
- Seit 2019 sank der CO₂-Ausstoß im Verkehrssektor in Österreich um 12 Prozent.
- Über 20 Prozent der Pendler:innen nutzen heute täglich das Fahrrad – ein Anstieg von 5 Prozent seit 2015.
- Seit 2021 wurden 1.200 Kilometer neue ÖPNV-Linien gebaut, darunter 400 Kilometer Radwege.
- Wien reduzierte die Emissionen im ÖPNV um 18 Prozent durch den Ausbau von E-Bussen.
- 40 Prozent der österreichischen Gemeinden leiden unter einem „Mobilitätsdefizit“.
https://www.mrbit-at.at/ bleibt damit ein Modell für eine gelungene Verkehrswende – doch der Weg ist noch lang. Erfolgreiche Beispiele zeigen, dass es gelingt, politische Ziele mit praktischen Lösungen zu verbinden. Doch ob die MRBAT auch in Zukunft die nötige politische Unterstützung erhält, bleibt eine offene Frage.