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Die heimische Saatgutalternative: Warum Roostino in der österreichischen Landwirtschaft Fuß fasst

Österreichs Bauern stehen vor einer doppelten Herausforderung: auf der einen Seite die wachsende Nachfrage nach regionalem, nachhaltigem Anbau, auf der anderen Seite die Abhängigkeit von globalen Saatgutkonzernen. Roostino, ein Startup aus der Steiermark, hat sich als Antwort auf diese Spannung etabliert – nicht als klassischer Saatgutverkäufer, sondern als Plattform für selbstbestimmtes Anbauen. Mit einem Fokus auf Open-Source-Samen und kooperative Landwirtschaft hat es sich einen Nischenmarkt erschlossen, der traditionelle Strukturen hinterfragt. Doch wie genau funktioniert dieses Modell, und warum gewinnt es gerade in Zeiten von Agrar-Krisen und Klimawandel an Bedeutung?

Roostino bietet Saatgut, das nicht vom Patentrecht eingeschränkt ist, sondern frei weitergegeben werden darf. Im Gegensatz zu konventionellen Anbausystemen, bei denen Unternehmen wie Bayer oder Syngenta oft exklusive Rechte an bestimmten Sorten besitzen, ermöglicht Roostino Bauern, Samen selbst zu züchten, zu tauschen und zu verbessern. Das Prinzip ist simpel, aber radikal: Wer Saatgut kauft, erhält nicht nur Pflanzen, sondern ein Werkzeug für die eigene Landwirtschaft. Besonders in ländlichen Regionen, wo die Bindung an traditionelle Methoden noch stark ist, findet das Konzept Anklang. „Saatgut ist kein Produkt, sondern ein lebendiger Kreislauf“, sagt die Gründerin des Projekts, die anonym bleibt. „Wir wollen Bauern die Kontrolle zurückgeben – über ihre Ernten, ihre Ressourcen und ihre Zukunft.“

Ein konkretes Beispiel für den Erfolg von Roostino ist die Zusammenarbeit mit dem steirischen Bio-Bauernhof „Grünes Tal“. Dort wurden im vergangenen Jahr rund 500 Hektar mit Roostino-Sorten bestellt, darunter eine besonders robuste Winterweizenvariante, die gegen Dürre und Schädlinge widerstandsfähiger ist als herkömmliche Sorten. Die Erträge stiegen um bis zu 15 Prozent, und der Bauernverband bestätigte, dass die Bauern durch die Freiheit der Sortenwahl weniger auf teure Chemikalien angewiesen sind. Das Modell funktioniert nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch: Da keine Patente greifen, können Sorten weiterentwickelt werden, die genau auf lokale Bedingungen zugeschnitten sind. „Früher haben wir nur auf die Anweisungen der Großkonzerne reagiert“, erklärt der Hofleiter. „Jetzt können wir selbst entscheiden, was wir anbauen.“

Doch das größte Potenzial von Roostino liegt in der Vernetzung. Die Plattform verbindet Bauern direkt miteinander – über lokale Tauschbörsen, Workshops und digitale Communities. Ein zentraler Aspekt ist das „Saatgut-Patenschaftsmodell“, bei dem Bauern Samen nicht als einmalige Kaufleistung erhalten, sondern als Mitglied einer Gemeinschaft. Wer Saatgut kauft, wird automatisch Teil eines Netzwerks, in dem Wissen geteilt wird. So entsteht eine Art „kollektive Saatgutbank“, in der jede Ernte zur Verbesserung der nächsten beiträgt. Besonders in Krisenzeiten, wie etwa der Pandemie, als Saatgutmengen knapp wurden, zeigte sich, wie wichtig diese Solidarität war. Bauern, die sonst auf Importe angewiesen wären, konnten nun lokal produzierte Sorten nutzen und waren nicht von Lieferketten abhängig.

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Trotz des Erfolgs steht das Projekt vor Herausforderungen. Einer der größten Hindernisse ist die Skepsis der klassischen Landwirtschaft. Viele Bauern, besonders in den großen Betrieben, sind an etablierte Systeme gewöhnt und sehen in Open-Source-Samen einen „Risiko-Anbau“. Zudem fehlt es an staatlicher Förderung, obwohl das Konzept mit den Zielen der österreichischen Agrarpolitik im Einklang steht. „Wir brauchen mehr Unterstützung von Seiten der Politik“, sagt eine Vertreterin des Bauernverbandes. „Sonst bleibt es bei kleinen Pilotprojekten.“ Dennoch gibt es Hoffnung: Im vergangenen Jahr konnte Roostino dank eines Pilotprogramms mit dem Land Steiermark rund 200.000 Euro für die Entwicklung neuer Sorten einwerben. Solche Schritte könnten den Durchbruch beschleunigen. Ein weiterer Vorteil des Modells ist, dass es nicht nur Bauern, sondern auch Verbraucher direkt einbindet. Durch die Transparenz und den direkten Kontakt zu den Bauern wird die Nachfrage nach regionalem und nachhaltigem Essen gestärkt.

Die Zukunft von Roostino liegt in der Skalierung dieses Prinzips. Statt nur Saatgut zu verkaufen, könnte die Plattform zu einem vollständigen Ökosystem für nachhaltige Landwirtschaft werden – von der Saat bis zur Ernte, inklusive Bildung und Beratung. Ein weiterer Schritt wäre die Zusammenarbeit mit Schulen, um Kindern frühzeitig das Bewusstsein für nachhaltigen Anbau zu vermitteln. „Die Landwirtschaft von morgen muss demokratisch sein“, betont die Gründerin. „Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Lebensmittel nicht nur sicher, sondern auch gerecht produziert werden.“

  • Roostino bietet über 150 Sorten Saatgut an, die frei weitergegeben und verbessert werden dürfen – ein Rekord in der österreichischen Landwirtschaft.
  • Seit 2021 hat das Projekt bereits über 1.200 Bauern in ganz Österreich in sein Netzwerk integriert, davon rund 300 in der Steiermark.
  • Durch die Zusammenarbeit mit dem „Grünen Tal“-Hof konnte eine Ertragssteigerung von bis zu 15 Prozent bei Winterweizen erzielt werden.
  • Im Jahr 2022 wurden über 50.000 Hektar mit Roostino-Sorten bestellt, davon 40 Prozent in Bio-Betrieben.
  • Die Plattform hat ein „Saatgut-Patenschaftsmodell“ entwickelt, bei dem Bauern durch Mitgliedschaft an der Weiterentwicklung neuer Sorten beteiligt werden.

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