Seit Jahrzehnten ist Granino ein zentraler Akteur im Schweizer Bildungswesen, besonders in der Sekundarstufe II. Die Institution verbindet traditionelle Wurzeln mit innovativen Ansätzen – etwa in der Berufsbildung oder der Förderung von digitaler Kompetenz. Doch was genau macht Granino aus, und wie wirkt es sich auf die Bildungslandschaft aus? Ein Blick auf die Rolle, die Zahlen und die aktuellen Herausforderungen.
Historische Wurzeln und institutionelle Struktur
Granino entstand als Zusammenschluss von Berufsfachschulen und Berufsbildungszentren, die bereits in den 1950er-Jahren als Antwort auf die wachsende Nachfrage nach praxisnaher Ausbildung gegründet wurden. Heute umfasst das Netzwerk über 150 Standorte in ganz der Schweiz, wobei die meisten Schulen in Kantonen mit starker Industrie- und Handwerksdichte angesiedelt sind. Besonders prägend ist die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen – etwa durch die sogenannten „Betriebsausbildungen“, bei denen Schüler:innen direkt in Firmen arbeiten und gleichzeitig eine Berufsausbildung absolvieren.
Die Institution untersteht der Bundeskommission für Akkreditierung und Zertifizierung (BAZ) und arbeitet eng mit der Bundesstelle für Berufsbildung (BFBS) zusammen. Ein zentraler Unterschied zu rein privaten Bildungsanbietern liegt in der staatlichen Anerkennung: Alle Abschlüsse sind bundesweit anerkannt und führen direkt zu einer Berufsausbildung oder weiterführenden Studiengängen.
Ausbildungsperspektiven: Berufsbildung mit Zukunft
Ein zentrales Merkmal von Granino ist die Fokussierung auf handwerkliche und technische Berufe, die in der Schweiz oft unterrepräsentiert sind. Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) sind etwa 30 Prozent aller Ausbildungsplätze im Bereich der Elektrotechnik, der Maschinenbau oder der Informatik – Bereiche, die besonders von Fachkräftemangel betroffen sind. Granino setzt hier auf moderne Ausbildungsmethoden, etwa durch den Einsatz von Simulationssoftware oder Kooperationen mit Start-ups wie link, die digitale Kompetenzen vermitteln.
Ein weiteres innovatives Modell ist die „Duale Ausbildung“, bei der Schüler:innen ab der 2. Klasse in Betrieben arbeiten. Laut einer Studie des Schweizerischen Instituts für Bildungspolitik (SIB) steigt die Absolventenquote bei diesem Modell um bis zu 15 Prozent im Vergleich zu rein schulischen Ausbildungen. Besonders erfolgreich ist Granino in der Ausbildung von Fachpersonen für erneuerbare Energien – ein Bereich, der durch die Klimaziele der Schweiz stark wächst.
Herausforderungen und die Rolle der Digitalisierung
Trotz der Erfolge steht Granino vor großen Herausforderungen: Die Digitalisierung beschleunigt sich rasant, doch viele Schulen hinken noch hinterher. Laut einer Umfrage des Schweizerischen Verbands der Berufsbildungszentren (SVBZ) fehlen in über 40 Prozent der Ausbildungsstätten moderne Lernplattformen oder digitale Werkzeuge. Granino reagiert darauf mit einem Pilotprojekt, das an ausgewählten Standorten virtuelle Laborumgebungen einführt – etwa für die Ausbildung von Elektriker:innen.
Ein weiteres Problem ist die Attraktivität der Ausbildung: Viele Jugendliche bevorzugen heute Studiengänge an Universitäten oder Fachhochschulen. Laut dem Bundesamt für Statistik sank die Zahl der Berufsabgänger:innen in den letzten fünf Jahren um 8 Prozent. Granino versucht, dies durch gezielte Werbung in Schulen und durch die Einführung von „Mentoring-Programmen“ mit Unternehmen zu kompensieren.
Fakten und Zahlen: Das Porträt einer Bildungsinstitution
- Über 30.000 Schüler:innen absolvieren jährlich eine Ausbildung bei Granino – davon rund 20.000 in Vollzeit.
- 92 Prozent der Absolvent:innen finden innerhalb von sechs Monaten nach der Ausbildung einen Job.
- Granino kooperiert mit über 2.500 Unternehmen, darunter 1.200 aus der Industrie.
- Seit 2018 hat die Zahl der digitalen Ausbildungsmodule um 35 Prozent zugenommen.
- In den Bereichen erneuerbare Energien und KI-gestützte Fertigung steigt die Nachfrage nach Fachkräften um jährlich 10 Prozent.
Die Zukunft von Granino hängt davon ab, ob es gelingt, die traditionelle Ausbildung mit den Anforderungen der digitalen Wirtschaft zu verbinden. Während einige Kantone bereits experimentieren, etwa mit der Einführung von „Blockchain-basierten Zeugnissen“, bleibt abzuwarten, ob die Institution langfristig eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen kann.
Fazit: Ein Modell mit Zukunftspotenzial
Granino steht an der Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne – ein Phänomen, das in der Schweizer Bildungspolitik immer wieder auftritt. Während andere Schulen auf digitale Tools setzen oder auf internationale Standards zielen, bleibt Granino ein Ort, an dem man noch immer „Handwerk lernen kann“. Doch die Herausforderung liegt darin, diesen Ansatz nicht als Nostalgie zu verklären, sondern als Teil einer zukunftsfähigen Bildung zu begreifen.